Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 24.06.2013

Warum gab der Hagener Bildhauer Heinrich Holthaus
seinen künstlerischen Nachlass nach Plettenberg?

Förderverein Denkmalschutz besuchte heute die neu geschaffene Ausstellung mit dem plastischen Erbe des Bildhauers


Mitglieder des Förderverein Denkmalpflege waren heute zu Gast bei Helmut Teichert, der den Nachlass des 1903 in Hagen geborenen Künstlers Heinrich Holthaus verwaltet. Foto: Horst Hassel

Horst Hassel

Plettenberg. Mit mehreren Kunstwerken ist Heinrich Holthaus in Plettenberg vertreten. An der Hallenschule und in der Johanniskirche finden wir seine bekanntesten Arbeiten. Seine Beziehung zu Plettenberg ist eine familiäre: seine Eltern wohnten in Eiringhausen. Hier starb 1935 sein Vater an der Reichsstraße 44. Hier wohnte Holthaus 1945 nach der Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft bei seiner Mutter. Seine letzte Ruhe fand Heinrich Holthaus deshalb auf dem Evang. Friedhof in Eiringhausen. Sein letzter Wunsch war auch, dass sein künstlerischer Nachlass in Plettenberg an ihn erinnert.

Lange Jahre waren seine Groß- und Kleinplastiken, Reliefs, seine abstrakten Formen und unzähligen Köpfe im Lennetal eingelagert, ebenfalls sei einigen Jahren bemüht sich Helmut Teichert um die Präsentation. Ganz fertigestellt sind die Ausstellungsräume noch nicht, doch der Förderverein für Denkmalpflege war heute zur "Atelier"-Besichtigung eingeladen. Die Begeisterung über die Holthaus-Arbeiten war riesengroß, gepaart mit der Freude, als eine der ersten Besuchergruppen diesen authentischen Rückblick auf ein halbes Künstlerleben nachvollziehen zu können.


Kleinskulpturen von Heinrich Holthaus im Gegenlicht. Foto: Horst Hassel


Die bevorzugten Materialien des Bildhauers waren Bronce und Kunststein. In der Plettenberger Retrospektive sind es überwiegend die Urformen, von denen später z. T. Bronceabgüsse entstanden. Das Künstlerische prägte nicht immer das Leben von Heinrich Holthaus. Er begann 1926 eine Banklehre, studierte ab 1927 dann evangelische Theologie in Marburg, später auch Philosophie und Kunstgeschichte in Münster, widmete sich ab 1930 der Bildhauerei in Hamburg und Berlin. 1935 jobte er bei Arno Breker, nachdem sein Atelier in Berlin abgebrannt war und das Feuer seine bildhauerischen Werke zerstört hatte.

Von 1941 an war er im Kriegsdienst und bis 1946 in Kriegsgefangenschaft. Von 1946 bis 1953 lebte Heinrich Holthaus als freischaffender Bildhauer bei seiner Mutter in Plettenberg-Eiringhausen, kehrte 1953 wieder in seine Heimatstadt Hagen zurück. In Plettenberg hatte er auch Kontakt mit Prof. Carl Schmitt, der in jenen Nachkiegstagen viele Künstler in seinem Hause zu Gast hatte und Ausstellungen vermittelte (siehe "Carl Schmitt und die Künste in der Plettenberger Nachkriegszeit"; Jahresgabe 2010 der Carl-Schmitt-Gesellschaft Plettenberg, Gerd Giesler).



In der Atelier-Ausstellung findet sich auch die Vorlage für das Kruzifix, das Heinrich Holthaus 1965 für die Evang. Mathäus-Kirche in Hagen-Höhing schuf. "So wie für einen Architekten ein Kirchenbau", so hatte Heinrich Holthaus es mal ausgedrückt, "so bedeutet für den Bildhauer das Kruzufix die wohl ernsteste, schwierigste Aufgabe überhaupt." Etwa ab 1963 entstanden über 15 Jahre hinweg christlich- protestantische Arbeiten. 1964 wird in der Johanniskirche in Eiringhausen das Ensemble von Taufstein und Altar mit Taufdeckel, Leuchter und Kruzifix und dem fast lebensgroßen Johannes zum seltenen Gesamtkunstwerk. Eine fehlgeschlagene Halsschlagader-Operation beendete 1980 das Leben von Heinrich Holthaus. Seine jetzt in Plettenberg ausgestellten Arbeiten lassen ihn über den Tod hinaus als Künstler eindrucksvoll weiter wirken.