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Als die Tanke noch Gasolin hieß

Ausstellung „Tankstellen im Wandel der Zeit“ im Heimathaus eröffnet – Seltene Exponate wie Holzvergaser-Kessel zu sehen


Bilder wie dieses, auf dem die frühere Gasolin-Tankstelle an der Reichsstraße in Eiringhausen zu sehen ist, werden seit Donnerstag in der Ausstellung im Heimathaus gezeigt. Foto: Archiv Horst Hassel

Horst Hassel

Plettenberg. 27.08.2011 - Wie vielfältig und wechselhaft die Tankstellen- Landschaft in Plettenberg war und ist, konnten rund 50 Eröffnungsgäste der Ausstellung „Tankstellen im Wandel der Zeit“ am Donnerstagabend im Heimathaus nachvollziehen. Zahlreiche Fotos zeigen die ältesten Tankstellen im Stadtgebiet bis hin zu den heutigen Tank- und Shop-Centern, bei denen die Ware Benzin längst nicht mehr den Hauptumsatz ausmacht. Es ist eine einmalige Ausstellung, die Günter Heerich, Sigfried Klose, Bernd Ziegler und weitere Helfer des Heimatkreises auf die Beine gestellt haben.

Zur Begrüßung der Eröffnungsgäste lockten vorm Heimathaus zwei Oldtimer, ein Ford A (Baujahr 1930) und ein Opel Rekord (Baujahr 1955), als passendes Entrée zum Thema. Im Heimathaus selbst fallen sofort eine alte Zapfsäule, zur Verfügung gestellt von der Firma Hiby, und ein rostiger Kessel ins Auge: ein alter Holzvergaser- Kessel, eine wahre Rarität auf dem Oldtimer- Markt. Die Herkunft ist unbekannt – man fand ihn im Keller des Heimathauses. In den Jahren 1940 bis in die frühen 1950er Jahre waren solche Holzvergaser – meist an Lkw – im Einsatz. Mit einer Füllung Buchenholz waren Distanzen bis zu 100 km möglich.

In der Ausstellung erfährt der Besucher zum Beispiel, dass Otto Seuthe nach dem Krieg auf Umwegen zu einer Tankstelle gekommen ist. 1945 hat er zunächst mit einer fahrbahren Kreissäge für viele Plettenberger Brennholz geschnitten.
Viele Fahrzeuge wurden
mit Holzgas betrieben

Da kaum Kraftstoffe für Fahrzeuge vorhanden waren, wurden viele Autos mit Holzgas betrieben. Otto Seuthe stellte seine Produktion von Brennholz für Öfen auf Brennholz für Holzvergaser um. Am 8. April 1958 eröffnete er mit seiner Frau zunächst die Gaststätte am Oesterweg 9, am 15. August 1961, also vor 50 Jahren, dann die Tankstelle an der Königstraße.

Viele Tankstellen-Geschichten hat der Heimatkreis erkundet, mit Hilfe der Betreiberfamilien alte Fotos besorgt und so Entwicklungen von der einfachen Zapfsäule über den Münztank, Bleifrei-Tankstellen bis hin zu E-10-Kraftstoff festgehalten. So war es kein Wunder, dass die Protagonisten zur Ausstellungseröffnung strömten: Rudi Turk, Wolfram Limberg, Hiltrud Fröhlich, Willy Langhammer und mehrere Generationen Schachta/ Midderhoff.

INFO
Öffnungszeiten
Die Tankstellen-Ausstellung im Heimathaus am Kirchplatz ist an beiden Stadtfesttagen heute, Samstag, und morgen, Sonntag, jeweils von 14 bis 19 Uhr geöffnet.
In den folgenden Monaten kann die Ausstellung immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr (jeden ersten Mittwoch im Monat 15 bis 20 Uhr) sowie an jedem ersten Sonntag im Monat vormittags von 11 bis 12.30 Uhr und nachmittags von 14 bis 18 Uhr zu den üblichen Öffnungszeiten des Heimathauses besucht werden.
Führungen können unter Tel. 93 98 45 (Stadtarchiv) mit der Heimatkreisvorsitzenden Martina Wittkopp-Beine verabredet werden.


Zahlreiche Besucher bewunderten zahlreiche alte Fotos und Original-Exponate. Foto: H. Hassel


Zapfsäule auf dem Hof der Firma Kohlen-Siepmann an der Bahnhofstraße


Die Mannschaft de Firma Langenbruch an der Reichsstraße

Firmen-Chronik der Firma Paul Langenbruch
Oktober 1928 Geschäftsgründung Paul Langenbruch an der Provinzialstr. 76, heute Reichsstraße.
Dezember 1928 Inbetriebnahme der ARAL Tankstelle. Fahrzeug,- und Motorradvertrieb, Reparatur von Motorrädern, Pkw und elektrische Aggregaten.
ab 1930 Verkauf von Motorrädern der Marke RMW (Ruhrtal Motorradwerke mit Sitz in Neheim)
Dezember 1936 Umzug in den Neubau Provinzialstr. 56a, Bezug des Geschäfts- und Wohnhauses, Inbetriebnahme der Tankstelle, der Werkstatt und des Lagers.
ab 1952 Vertrieb von Heinkel-Motorrollern
ab 1958 Vertrieb von Lloyd,- und Borgwardfahrzeugen
ab 1961 BMW Händlervertrag
September 1961 Rudolf Langenbruch übernimmt die Firma
1971 Neubau und Umzug in die Bannewerthstr. 22
1988 Kündigung des BMW-Händlervertrages
September 1991 Mazda-Händler
Oktober 1993 Anbau von Ausstellungsräumen am Bannewerth 22
Dezember 2009 Beendigung des Geschäftsbetriebes.


Die Esso-Tankstelle von Harry Seifert (später Hagemann) an der Zeppelinstraße im Rohbau.