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Pietrapaola: Geschichte und Chronikberichte

Pietrapaola (sprich: Pjetrapaula): eine Hand voll einfacher, altertümlicher und sich an den Fuß eines majestätischen Felsens klammernder Häuser: Fast wie eine zusammengedrängte Herde, still und bewegungslos, kompakt, wie um Urängsten zu trotzen und den Mut zu finden, dem Elend der Verlassenheit und Einsamkeit zu begegnen.


Eines der vielen kleinen Dörfer unseres calabresischen Heimatlandes? Ja und Nein! Es ist so, weil Pietrapaola ganze 12 Kilometer von der einzigen wichtigen Hauptverkehrsader, der unglückseeligen Staatsstraße SS 106 (entlang der ionischen Küste) entfernt liegt, niedergekauert in einer nicht genau bestimmbaren Talmulde, sich dem Blick desjenigen verbergend, der es aus der Ferne ausfindig machen möchte. Es ist dennoch nicht wie die anderen kleinen Dörfer, weil es ganz besondere Eigentümlichkeiten aufweist.


Jenseits der zahlreichen Kastanien- und Eichenwäldchen, die den in den südlichen angehäuften Ansiedlungen wie eine Krone vorgelagert sind, sowie den zu ihren Füßen liegenden und sich durch weite Täler bis zum Meer hin ziehenden, dichten, silbergünen Baumkronen der Olivenhaine, jenseits von alldem, wird die Lage dieses Dörfchens durch die massive Präsenz des Steines, des Felsens, genau gekennzeichnet.


Ein außergewöhnliches Szenarium bietet sich dem Ankömmling in Pietrapaola: der Anblick eines majestätisch imposanten, sich in der Mitte erhebenden Zentralfelsens, der das bewohnte Zentrum überragt und an dessen Fuß sich die kleinen Häuser schwungvoll anschmiegen, so als wollten sie Unterschlupf und Schutz suchen, um geschlossen der Unbill des Wetters und dem Zahn der Zeit zu trotzen.


Dieser mit dem Ort eine Einheit bildende Felsen heißt "Castello" (Burgfelsen). Auf einem Plateau vor dem Gipfel des Felsens sind spärliche Spuren und kaum sichtbare Überreste eines Bauwerkes erhalten. Nach der Legende - und nicht nach dokumentierter Geschichte - soll hier einst die Wehrburg des Landesfürsten gestanden haben. Der Anblick des Castello wirkt vielleicht bedrohlich, tatsächlich aber verhält er sich stets wie ein Freund. Wenn auch kaum dokumentiert, so sind seit Menschengedenken über die Jahrhunderte hinweg keinerlei Schäden an der Bevölkerung bekannt, die auf Bewegungen oder Zersetzungen des Felsens zurückgeführt werden könnten. Zuletzt vor einigen Jahren hat der Castello bedrohlich rumort und sich etwas gerüttelt und geschüttelt, er hat Angst verbreitet und Geröll verstreut, einige Arbeitsutensilien der Bevölkerung zerquetscht, jedoch die Menschen verschont, obwohl dieses Ereignis tagsüber stattfand und ein von den Leuten stark frequentiertes Teilstück eines Dorfweges betroffen war.