1944/45: Vom IMI zum ITA - italienische
Zwangsinternierte in Plettenberg
Martin Zimmer erschloss bundesweit einmalige Kartei- und Aktenunterlagen des Archivs
Bei der Firma Brockhaus Söhne im Italienerlager Wiesenthal am 03.10.1944 untergebrachte Italiener (ehemalige IMIs = Italienische Militärinternierte)
1. Boscia, Salvatore (Nr. 389)
2. Brighi, Pietro (Nr. 386)
3. Capraro, Mario (Nr. 374)
4. Carriere, Emanuele (Nr. 385)
5. Costa, Gaetano (Nr. 376)
6. De Blasi, Domenico (Nr. 378)
7. Forner, Umberto (Nr. 388)
8. Gaudino, Luigi (Nr. 377)
9. Giofani, Emilio (Nr. 373)
10. Grasso, Guiseppe (Nr. 393)
11. Lanfranchi, Aurelio (Nr. 384)
12. Odi, Angelo (Nr. 370)
13. Paolillo, Guiseppe (Nr. 372)
14. Pegoraro, Primo (Nr. 382)
15. Pozza, Evaristo (Nr. 379)
16. Preto Martini, Attilio (Nr. 381)
17. Quato, Giovanni (Nr. 383)
18. Rizzo, Francesco (Nr. 375)
19. Speranza, Pasquale (Nr. 371)
20. Vasco, Paole (Nr. 391)
21. Velli, Guerrino (Nr. 387)
22. Vigano, Antonio (Nr. 392)
23. Voltan, Aldo (Nr. 380)

Guiseppe Silecchia ist am 07.07.1944 im Arbeitskommando 433
verstorben, meldet der Obergefreite und Arbeitskommando-Führer
Klingenheben der Verwaltung am 12. Juli 1944. Am 08.07.1944 wurde
Guiseppe Silecchia auf dem Evang. Friedhof in Eiringhausen beigesetzt.
"Das Grab (Nr. 2) wird von den IMI, die sich noch im Lager befinden,
betreut. Grab ist in würdigem Zustand und unkrautfrei. Grabkreuz ist
angelegt und Name und Stalag-Bezeichnung und Sterbedatum auf demselben
angebracht", schreibt der Obergefreite. Wenn die Bezeichnung "Kgf.-Nr.
XII A 51109" eine Aussage über das Stalag trifft, müsste es sich um
das Stalag XII A in Limburg handeln.
In einem Verzeichnis über in Plettenberg vorhandene "Gräber von
Angehörigen fremder Nationen" vom 21.05.1946 (StA Plettenberg) sind
für den Evang. Friedhof Eiringhausen aufgeführt:
Luigi De Nicolais, *01.08.1921 15.09.1944
Armando Jazetta, *01.05.1922 05.12.1944
Luciano Mingardi, *? 19.04.1945 Lager Kahley, erschossener
italienischer Zivilist, Grab Nr. 29 (auch: Am 10.04.1945 in der Blemke Getötete [Haus Mester])
Luigi Casarotti, * ? 26.03.1945 ("In der Nacht vom 25. zum 26.03.1945 Getötete", Grab Nr. 40)
Auf dem Kath. Friedhof Eiringhausen wurden beigesetzt:
Raffaele Villani, *27.01.1912 15.10.1944
Enrico Marmonti, *18.09.1921 28.12.1944
In einer Auflistung "4) Soldaten der früheren Feindnächte" sind u. a. folgende
Namen afugeführt:
Carlo Varotto, *26.02.1917 11.03.1945 IMI Kgf.-Nr. 50906, Serg. Maggiore
Weitere italienische Namen:
Camillo Savoia, *09.05.1912 San Giorgio Ionica/Taranto, Via Diac 21, verh., Italienerlager Wiesenstraße,
Beruf: Buchhalter; beschäftigt als Hammerdrücker bei der Fa. Wilhelm Kühne. Vorläufiger Fremdenpass
am 05.02.1945; kam am 31.08.1944 vom Stalag M-Stammlager VI D nach Plettenberg;
Ilio Sacchetti, *18.09.1920 Viareggio/Lucca Januar 1986 Biella, Heimatort: Bologna, Beruf: Elektriker,
Arbeitsbuch am 04.10.1944, beschäftigt bei Brockhaus Söhne Pl.-Wiesenthal

Ercole Bucci, *23.01.1913 Monticenlo/Amiata, Provinz Grosseto (Toscana),
r/k, verh., Bauer, jetzt Hilfsarbeiter beim Hammerwerk Schulte, Straße der SA 29,
1,56 m groß, war seit dem 31.08.1944 im Italienerlager Zeppelinstraße (Wiesenstraße)
untergebracht; in seinem mit Bleistift ausgefüllten Anmelde-Formular bei der
polizeilichen Meldebehörde steht als "Letzter Wohnort: Stalag M.-Stammlager VI D"
(Dortmund Westfalenhalle). In einem beigefügten Fragebogen in italienischer Sprache
steht als Beruf (Professione) "Bauer". Mit Schreiben vom 05. Februar 1945 wird
die Personalakte von Ercole Bucci an den Landrat nach Altena geschickt.
Neben einem "vorläufigen Fremdenpass" war auf Ercole Bucci auch ein Arbeitsbuch
ausgestellt, das am 19.10.1944 zum 14.11.1944 beim Arbeitsamt Lüdenscheid
mit Lichtbild beantragt wurde. Als neuer Arbeitgeber (ab 27.10.1944) ist die
Fa. Robert A. Hessmer, Unterm Grünen Berg 12-14 genannt.

"Entlassener IMI aus dem Stalag M(annschafts).-Stammlager VI D" steht in der
Personalakte von Ercole Bucci aus dem Stadtarchiv Plettenberg.

Marco Buda, *30.08.1921 Visinata, Provinz Pola, r/k, ledig, 1,73 m groß,
entlassener IMI aus dem Stalag M.-Stammlager VI C (Bathorn - Nach dem
Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im September 1943 werden
zahlreiche Soldaten der Italienischen Armee interniert. Am 1. Oktober
1943 sind im Stalag VI C über 11.000 Italiener registriert. Sie
erfuhren hier eine äußerst schlechte Behandlung, auch bei
ihnen gab es viele Tote. Quelle: http://www.relikte.com/bathorn/index.htm)
Marco Buda war gelernter Landwirt und in Visinata, Via Adua 12 zu Hause.
Nach Plettenberg kam er laut mit Bleistift ausgefüllter polizeilicher
Anmeldung am 03.10.1944, war als Hilfsarbeiter bei der Fa. W. Wagner,
Köbbinghauser Hammer beschäftigt und war dort im Italienerlager untergebracht.
Frau Gisela Theiss Sacchetti (Via Torino 15, I-13051 Biella/Vercelli), *06.01.1923 Siegen,
17.11.1985 Biella, hat als Dolmetscherin in Plettenberg gearbeitet und im Oktober 1985 noch folgende
Hinweise gegeben:
"Ich kann Ihnen nur zwei Adressen von italienischen Ex-Zwangsarbeitern mit
Sicherheit nennen; den Kontakt mit manchen italienischen Kollegen habe ich
in den vielen Jahren verloren. Aber:
1. Francesco Dari, Viale Europa Unita 163/2, I-33100 Udine, italienischer
Lagerführer der Firma Brockhaus Söhne Wiesenthal. Dari und seine Frau sind
uns gute Freunde und haben erst kürzlich telefoniert (Tel. 0432/205 089).
2. Dr. Alessandro Bernadini Betti, Via Scipioni 265, I-00100 Roma, Tel. 06/314 312,
Lagerarzt vom Lager in der Zeppelinstraße. Mein Mann kennt ihn nicht, aber
ich habe ihn in Rom wiedergesehen, auch noch vor wenigen Jahren und sind
noch gute Freunde.

Über die 1943 oder 1944 in Plettenberg eintreffenden ehemaligen "IMIs" schrieb
Gisela Theiss Sacchetti in der WR vom 26.10.1985 u. a.:
"Dann trafen ca. 700 bis 800 Italiener ein. Ein verlorener Haufen. Schmutzig,
hungrig, ängstlich, schlecht ausgerüstet mit Uniformen, enttäuscht, mutlos,
verlassen - von der eigenen Regierung und den eigenen Offizieren im Stich
gelassen.
Die meisten wurden in Russland von den Russen gefangen. Also: Dawei - zu Fuß.
Dann wurden sie -unverständlicher Weise für sie - Gefangene der deutschen
Wehrmacht. Also von der Ukraine oder noch weiter entfernt mit dem Marschziel
Deutschland, in diesem Fall Stalag Dortmund. Zu Fuß - mit deutschen Flüchen
begleitet."
In der WR vom 09.11.1985 schreibt sie u. a. weiter:
...In den Betrieben sei das Verhältnis zwischen Deutschen und Italienern
noch freundlich gewesen, berichtete Gisela Theiss Sacchetti in der letzten
Folge. Aber die Italiener waren verzweifelt...
Es fehlten die italienischen Offiziere, die den Landsleuten in den Lagern
hätten helfen können. Ich musste eine Anrede - nach eigenem Gutdünken -
an die versammelten Offiziere vom Offizierlager Meppen richten. Ich flehte
und beschwor sie, dass doch Ärzte und Ingenieure zur Mannschaft kommen
sollten. Das habe ich nie verstanden: Sie hatten auch nicht so sehr viel zu
essen, aber sie wurden ernährt, ohne Arbeit, waren einigermaßen gut gekleidet,
hatten eine bessere Ausbildung. Überhaupt keine Reaktion. Kastengeist!
Herren zu sein! Verfluchter Unsinn.
Zum Lager in der Nähe der Zeppelinstraße meldete sich - nicht vom Lager
Meppen - freiwillig ein römischer Arzt, der manches erreichte, was die
anderen nicht fertigbrachten. Mit dem Arzt hatte ich und habe ich guten
Kontakt.
Nun kam der Augenblick, in dem die Imi's (Italienische Militärinternierte)
Ita's wurden. Ich hoffe, dass die Bezeichnungen einigemaßen stimmen, ganz
genau erinnere ich mich nicht. Aber nun gab es ein wesentliches Problem:
Die Italiener mussten sich unterschriftlich verpflichten, Zivilarbeiter
zu werden. Also frei, aber mit Arbeitszwang und Unterbringung in den
gewohnten Lagern, und darauf zu verzichten, nicht mehr Militär zu sein.
Zu machen war überhaupt nichts. Flucht war undenkbar. Viele sagten mir,
sie hatten einen Eid abgelegt und sie waren nicht bereit, eine Gewaltausübung
auch noch durch Unterschrift zu bestätigen.
Quelle: WR Plettenberg 1985
WR-Serie "Zwangsarbeiter in Plettenberg" - Gisela Theiss' Ehemann stöberte
in alten Akten
Zu Besuch im Stadtarchiv -
Illio Sacchetti: "Deutsche
haben mich gut behandelt!"
Plettenberg. (man/kr) Ein Wiedersehen mit der Vergangenheit gab
es zum Jahreswechsel in Martin Zimmers Stadtarchiv im Keller der
Zeppelinschule. Illio Sacchetti aus Biella in Italien war vor genau
40 Jahren schon einmal in Plettenberg, für längere Zeit allerdings.
Illio Sacchetti gehörte zu den italienischen Zwangsarbeitern in der
Vier-Täler-Stadt. Sacchettis Frau, die kürzlich verstorbene Gisela
Theiss Sacchetti, war von 1940 bis 1945 in Plettenberg Dolmetscherin
in den Zwangsarbeiter-Lagern und hat in mehreren Folgen in der
WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU über ihre damaligen Erlebnisse berichtet.
Stadtarchivar Martin Zimmer, mit dem die WR zusammen in loser Folge
die Geschichte der Zwangsarbeiter in Plettenberg aufgearbeitet hat
und noch weiter veröffentlichen wird, hatte sich viel Mühe gegeben,
um seinem Gast aus Italien Material aus der Zeit des Hitler-Regimes
um 1940 vor Augen zu führen. Das Hauptinteresse Sacchettis lag
natürlich im Bereich der Zwangsarbeiter-Kartei.

Italienische Soldaten kämpften damals bekanntlich mit deutschen Truppen
zusammen an der Ostfront. Erst nahmen russische Soldaten das Spezialbataillon
für Funkanlagen, in dem auch Illio Sacchetti kämpfte, gefangen. Dann
kamen deutsche Soldaten, die ihrerseits die Russen gefangen nahmen, die
Italiener aber nicht freiließen. Als Gefangene der Deutschen gelangten
die italienischen Verbündeten ins Deutsche Reich.
Zusammen mit 500 anderen Italienern - von denen heute nach Sacchettis
Kenntnis etwa 17 noch leben - wurde Illio Sacchetti zuerst nach Dortmund
gebracht. Mit 64 Leidensgenossen kam er in einem Transport nach Plettenberg,
wo man die Italiener in verschiedenen Betrieben als Arbeitskräfte
einsetzte. Sacchetti arbeitete in der Firma Brockhaus in Wiesenthal.
Die Konstruktion eines Rundfunksenders mit einem Freund wurde ihm
fast zum Verhängnis
Der gelernte Elektro- und Rundfunktechniker landete erst in der Werksküche,
wurde aber dann als Facharbeiter eingesetzt. So kam er in Kontakt mit
deutschen Familien von Brockhaus-Betriebsangehörigen. Die steckten ihm
Lebensmittel zu. Es sei ihm da nicht schlecht gegangen, erzählte
Sacchetti der WR. "Die Deutschen haben mich recht gut behandelt". Mehr
Schwierigkeiten gab es bei den Kontakten zu den Zwangsarbeitern anderer
Nationen, den Russen und Polen etwa.
Seine Mutter durfte ihm sogar Päckchen aus Italien nach Plettenberg
schicken, solange dies noch möglich war. In einem solchen 4-Kilo-Paket
befanden sich 3 Kilogramm Reis, 3 Gläser selbstgemachtes Ragout sowie
Tabak und Zigaretten.
Bei der Durchsicht der Zwangsarbeiter-Kartei im Stadtarchiv erkannte
der Besucher aus Italien manchen Freund aus dieser Zeit anhand des
Passfotos wieder. Bei einer Akte, die ihm Martin Zimmer vorlegte,
schossen Illio Sacchetti Tränen in die Augen. Er erkannte auf einem
Bild Renato Ripari wieder, der von allen Zwangsarbeiter-Kollegen
ihm der aufrichtigste Freund gewesen war.
"An eine Geschichte erinnere ich mich besonders gut", erzählte Illio
Sacchetti in gebrochenem aber verständlichen Deutsch. "Zusammen mit
meinem Freund Ripari war es mir gelungen einen Radiosender zu bauen,
mit denen wir die feindlichen Sender empfangen, aber auch selber Signale
senden konnten". Wie sollte es anders sein, die beiden Freunde wurden
erwischt. Zur Strafe musste Sacchetti acht Stunden vor einem Führerbild
strammstehen, was er der WR im Stadtarchiv vor einem Karteischrank
demonstrierte. Normalerweise wäre eine solche Tat mit dem Tode
bestraft worden. Dank der Zurückhaltung des Wachpersonals und des
damaligen Beauftragten der Firma Brockhaus, Willi Arndts, blieb ihm
die Exekution erspart.
An das Verhör erinnert sich Sacchetti: "Zwei SS-Männer warteten auf
mich. Ich war jung und verstand die ganze Aufregung nicht. Nachdem
ich mir die Vorwürfe angehört hatte, habe ich wütend auf den Tisch
geschlagen. Meine spätere Frau, die damalige Dolmetscherin für uns
Italiener, Gisela Theiss, fragte mich, ob ich wohl verrückt sei, aber
die beiden SS-Männer sahen sich nur an und ließen mich gehen. Finito".
Bei seinem Besuch in Plettenberg zum Jahreswechsel besuchten Martin
Zimmer und Illio Sacchetti auch den ehemaligen Brockhaus-Betriebsobmann
Willi Arndts. Der heute 66-jährige Sacchetti ist in Italien ein
wohlhabender Unternehmer, dessen Elektronik-Firma u. a. Bordcomputer
für Rennwagen herstellt. Untergebracht war Sacchetti während seines
Besuches bei einem Halbbruder seiner verstorbenen Frau Gisela Theis,
Jochen Büchs und dessen jugoslawischer Frau Slavica in Hüinghausen.
Zurück in Italien will Sacchetti versuchen, anhand der Kopien aus
Zimmers Kartei alte Zwangsarbeiterkollegen ausfindig zu machen.
|
Quelle: ST vom 04.04.1990
Unterlagen über Zwangsarbeiter
im Archiv der Stadt einmalig!
Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte: Überregionale Bedeutung
Plettenberg. Die Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des
20. Jahrhunderts wandte sich in einem Schreiben vom Februar
an Stadtdirektor Walter Stahlschmidt. Mit seiner Genehmigung
veröffentlichen wir diesen Brief, in dem sich die Stiftung
sehr positiv über das Plettenberger Stadtarchiv äußert:
In diesen Wochen haben wir ein Forschungsprojekt erfolgreich
beendet, das die Geschichte der italienischen Fremd- und
Zwangsarbeiter auf dem Arbeitsmarkt des "Dritten Reichs"
zum Thema hat. Drei italienische Mitarbeiter unserer Einrichtung
waren unter der Leitung von Prof. Sergio Bologna (Mailand)
damit befasst.
Das Buchmanuskript wird in den kommenden Monaten ins Deutsche
übersetzt und hoffentlich noch 1990 veröffentlicht. Einer der
drei Beiträge basiert ausschließlich auf den mündlichen
Befragungen noch lebender ehemaliger Fremdarbeiter.
Die erforderliche repräsentative Zahl der Interviewpartner
vermochten wir nur mit Hilfe des Stadtarchivs Plettenberg
zu erreichen, das - einmalig in der BRD (Bundesrepublik) -
die Kartei- und Aktenunterlagen der damaligen "Arbeitseinsatz"-Behörde
aufbewahrt und erschlossen hat. Wir wurden dabei von Herrn
Martin Zimmer hervorragend betreut. Herr Zimmer konnte uns
die Daten und damaligen Adressen von über 80 italienischen
Mitarbeitern mitteilen, von denen dann die Suche nach dem
jetzigen Aufenthaltsort in Italien ihren Ausgang nahm.
Wir danken der Stadt Plettenberg für ihre hervorragende
Archiveinrichtung. Ihre Bedeutung reicht weit über den
regionalen Zusammenhang hinaus.
Quelle: Wikipedia
Nachdem Italien mit den Alliierten am 8. September 1943 einen Waffenstillstand schloss, setzte das Deutsche Reich umgehend Befehle in Kraft, die italienische Armee zu entwaffnen und die Soldaten als „Italienische Militärinternierte (IMI)“ zur Arbeit nach Deutschland zu deportieren. Die italienischen Militärinternierten verstärkten die deutsche Kriegswirtschaft um rund 600.000 Arbeitskräfte. Wer den Arbeitseinsatz verweigerte, wurde als „Kriegsgefangener“ eingestuft. Mit diesen Kriegsgefangenen wurde nicht einheitlich verfahren. Teils wurden sie korrekt nach den Vorschriften der HLKO behandelt, teils in Konzentrationslager überstellt, teils zur Zwangsarbeit in die Operationsgebiete an der Ostfront verbracht, teils erschossen.
Italienischer Militärinternierter (IMI) war die deutsche Bezeichnung für diejenigen italienischen Soldaten, die von September bis November 1943 nach Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten von deutschen Truppen festgenommen und entwaffnet wurden. Allerdings galten nur diejenigen als Militärinternierte, die sich weigerten, auf der Seite von Hitler und Mussolini den Krieg fortzusetzen. Es handelte sich um etwa 600.000 Mann. Zwar hatte die Wehrmacht ursprünglich geplant, diese Soldaten als Kriegsgefangene zu behandeln, aber auf Befehl Hitlers vom 20. September 1943 wurde der neue Status des Militärinternierten geschaffen. Dieser Status diente dazu, den ehemals verbündeten Soldaten den Status von Kriegsgefangenen zu verweigern, der sie unter den Schutz des III. Genfer Abkommens von 1929 über die Behandlung der Kriegsgefangenen gestellt hätte. Zu diesem Zeitpunkt waren Italien und Deutschland auch nicht im Kriegszustand. Erst am 13. Oktober 1943 erklärte das amtliche Italien Deutschland den Krieg.
|