Der Hestenberg - ein wirkliches
Kleinod gerät in Vergessenheit

Der ehemalige Eiskeller von Rudolf Haape ist neben dem
Springbrunnen das bekannteste Relikt früheren bunten
Treibens im "Hausberg" der Plettenberger, dem Hestenberg.
Von Horst Hassel
Früher waren die Sommer heißer und die Winter kälter. Sagten unsere
Altvorderen. Auch wenn sich dies mit reinen Temperaturvergleichen
wohl nicht belegen lässt, der Hestenberg mit seinem Bierkeller,
dem Springbrunnen, seinen vielen Rastplätzen und Wanderwegen,
ist Beweis für die These: Im Sommer suchte Plettenberg den Hestenberg
als Schattenspender auf, im Winter wurde Eis von Elsebach und
Hammerteichen in Rudolf Haapes Bierkeller an der "Rudolfshalle" für
die Sommeraktivitäten eingelagert.

Man schrieb das Jahr 1871. In Deutschland schlugen die Wellen
patriotischer Begeisterung hoch, weil man soeben aus dem deutsch-französischen
Krieg siegreich hervorgegangen war. Otto von Bismarck, 1871 erster
Reichskanzler des Deutschen Kaiserreiches, und der Chef des preußischen
Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke, denen man den Sieg gegen den
"Erzfeind" zuschrieb, wurden in Plettenberg
geehrt, indem man nach ihnen zwei Straßen auf der Weide benannte.
Drei Plettenberger hatten im deutsch-französischen Krieg 1870/71
ihr Leben gelassen: Leutnant Ernst Schirmer vom Inf. Regiment 56,
gefallen bei Mars la Tour am 16. Aug. 1870; Hugo Weiß vom Inf.
Regiment 57, verwundet bei Mars la Tour und gestorben am 9. Juni
1871 im Lazarett, und G. Adolf Oehler vom Feld-Art.Regiment 11,
gefallen bei Garvent am 10. Dez. 1870. Zur Erinnerung an diese
Gefallenen wurde im Hestenberg ein Gedenkstein errichtet. Erst
1879 entstand das Kriegerdenkmal im Wieden, auf dem ebenfalls
dieser Gefallenen gedacht wird.

Auf Anregung und finanziert von Carl Meuser wurde dieser Gedenkstein
vermutlich 1872 im Hestenberg aufgestellt. Heute laden dort zwei
SGV-Bänke Wanderer zum Verweilen ein. Außerdem noch vorhanden sind die
stählerne Masthalterung für die einstige Fahnenstange sowie ein
kleiner Eiskeller. Auf dem eigens angelegten Platz feierten unsere
Vorfahren zur Erinnerung an den Sieg über die Franzosen u. a. den
"Sedanstag" am 2. September.
Wie der Hestenberg zum "Hausberg" der Stadt wurde, kann man den
Zeilen von Ernst Weimann entnehmen. Er hat im SGV-Buch "Plettenberg"
von 1914 über den Hestenberg u. a. vermerkt:
"Der Hestenberg ist fast ganz im Eigentum
der Stadt und enthält schön gepflegten, hohen Wald (Laub- und
Tannenwald), ist also stets schattig. Im Jahre 1871 hat hier
der Verschönerungsverein, der Vorläufer des Sauerländischen
Gebirgsvereins Abteilung Plettenberg, die ersten Wege angelegt,
und der SGV hat dann die Wege weiter ausgebaut und verbessert.

Der obere Eiskeller an der Fahnenstange
Carl Meuser hat den Hestenberg in seinem Testament bedacht
Besonders der verstorbene Fabrikant Carl Meuser (Anm.: *03.03.1832
Plettenberg †25.07.1910 Plettenberg, erster Ehrenbürger der Stadt
anläßlich seiner Goldenen Hochzeit am 19.03.1907) hat sich
um die Anlagen im Hestenberg sehr verdient gemacht, hat auch
für die Anlagen in seinem Testament ein Vermächtnis ausgesetzt.
Jetzt hat die Stadt seit Jahren die Unterhaltung der Wege und
Anlagen übernommen, hat auch gerade in den letzten Jahren neue
Wege erbaut. So bieten die Hestenberganlagen und der dahinter
liegende Schellhagen eine Fülle schönster Spaziergänge, die jeder
sich selber nach Belieben zusammenstellen und aussuchen kann.

Wie es sich für ein SGV-Buch gehört, lässt Ernst Weimann einen
Wandertip durch den Hestenberg folgen. Die Wanderung beginnt
an der Hestenberg-Brücke, geht hinauf über die Bahntrasse in
den Hestenberg auf den sogenannten "Philosophenweg": . . .
Wir folgen der schattigen Allee nach Norden, steigen
dann in drei Bogen langsam bergan und biegen so in das mit
hohen Tannen bestandene, schattig dunkele Klickmecketal ein.
Gleich beim Eingang befindet sich links in den Felsen gehauen eine
Inschrift zum Gedächtnis des langjährig verdienten Vorsitzenden
des SGV Plettenberg (1892-1912), des Amtsgerichtsrats Hiddemann.
Wir steigen zum Springbrunnen hinab, einer idyllisch gelegenen,
schönen Anlage und sehen oberhalb im Klickmeckertal eine andere
schöne Anlage, den Rittershaus-Platz liegen. Beim Springbrunnen
überschreiten wir die Klickmecke und kommen nach wenigen Minuten
auf Schraders Höhe, einem Platz, der seinen Namen nach einem
anderen langjährigen und verdienten Freunde unserer Sache
erhalten hat, dem Landgerichtspräsident Geh. Ober-Justizrat
Schrader in Verden, der im Jahre 1869 den Verschönerungsverein
Plettenberg ins Leben rief.
Heute finden wohl nur Ortskundige die Hiddemann-Erinnerungstafel
direkt unterhalb der Ruhebänke unweit der "Rudolfshalle". Ursprünglich
war der Text des Gedenksteins direkt in den anstehenden Felsen
gemeißelt worden. Da im Text ein (Rechtschreib-)Fehler vorhanden
gewesen sein soll, wurde die gußeiserne Tafel darüber angebracht.
1872: Man reitet hinauf zur Höhe und weiht die "Rudolfshalle" ein
Der Hestenberg ist mit dem Namen des Dichters Emil Rittershaus eng
verbunden. Ihm zu Ehren wurde vom SGV sogar eine "Rittershaus-Eiche"
im Hestenberg gepflanzt. Warum der Hestenberg so eng mit dem Namen
Rittershaus verbunden ist, darüber berichtet Ernst Weimann 1927
in "Die Stadt Plettenberg in Westfalen - Monographien entwicklungsfähiger
Städte:

"Besonders freudig bewegt aber sind Männer und Frauen und Kinder am
heutigen 6. Oktober 1872, an dem es gilt, im nahen Hestenberg, der
immer mehr mit seinen schattigen Wegen zum Spazierengehen zur 'Lunge
der Stadt' zu werden scheint, eine Halle auf luftiger Höhe einzuweihen.
Von Barmen ist der Dichter Emil Rittershaus (* 3. April 1834 in Barmen;
† 8. März 1897), der bekannte Sänger und Dichter des
Westfalenliedes, auf Einladung seiner Plettenberger Freunde nach hier
gekommen, zum festlichen Akte. Man reitet hinauf zur Höhe, wo
"Mägdelein mit ros'gen Wangen" freundlich Trank und Speise darbieten.
Und dann schaut der Dichter, froh gestimmt von Berges Höhe hinab aufs
friedliche Städtchen, das malerisch eingetaucht zwischen Gärten und
Bäumen im weiten Talkessel der drei sich schlängelnden Bäche Else,
Oester und Grüne im unvergleichlicher Schöne daliegt, und sein Herz
jauchzt auf: "Hier ist gut sein, hier will ich rasten, hier bin ich
daheim!" Und sein Dichterherz strömt bald im Liede über: "Plettenberg,
Dir Lob und Preis!" Und so lautet der Text der 1. Strophe des aus vier
Strophen bestehenden Liedes, das nach der
Melodie "Strömt herbei, ihr Völkerscharen" gesungen wurde:
Von des Hestenberges Kuppen
Schauen wir hinab ins Land:
Grüne Wiesen, Häusergruppen
Und der Flüsse silbern Band!
Uns zu Häupten, uns zu Füßen
Schwingt der Wind des Baumes Reis.
Laß im Liede dich begrüßen,
Plettenberg, Dir Lob und Preis!

Die Anlagen im Hestenberg (Wanderwege, der Springbrunnen etc.) sind von
Fabrikant Carl Meuser angeregt und finanziert worden. Die ersten
Wege wurden 1871 durch den Hestenberg gelegt.

Das ist "Schraders Höhe",fast auf halbem Wege zwischen Springbrunnen und
Schießstand der Plettenberger Schützengesellschaft. Hier saß der Geheime
Ober-Justizrat und spätere Landgerichtspräsident in Verden/Aller, der Gründer
des Verschönerungsvereins Plettenberg (lt. SGV-Chronik 1869), Carl Friedrich Schrader
(*20.04.1840 Halle/Westfalen †unbek., Amtsgerichtsrat in Plettenberg von 1872-1883),
und ruhte von der Arbeit aus. Der Überlieferung nach saß er hier oft auf einer Bank und
hat dann gegen Mittag laut ins Tal hinunter gepfiffen. Auf dieses Signal hin, das
wusste seine Frau, konnte sie die Kartoffeln für das Mittagsmahl aufsetzen.
Schrader wohnte damals gegenüber dem heutigen "Alten Rathaus".

So sah der Stein zur Erinnerung an Carl Friedrich Schrader bis in die
1950er Jahre hinein aus. Danach folgte die schlichte Metallplatte. Foto: Sammlung Dieter Schneider)

Gehen wir noch einmal kurz zurück in das Jahr 1872. Damals dichtete nicht nur Emil Ritterhaus
sein Loblied auf den Hestenberg und die Stadt Plettenberg, sondern die
"Rudolfshalle" wurd eingeweiht. Sie ist benannt nach dem Gastwirt Rudolf
Haape, der später das "Hotel Stadt Plettenberg" an der Wilhelmstraße,
anschließend Reisebüro und Buchhandlung Schadwinkel) führte. Die "Rudolfshalle"
war ein kleines, recht bunt angestrichenes Holzhäuschen, das auf einem
Gewölbekeller stand. In dem Gewölbekeller lagerten die Bierfässer und
andere, kühl zu haltende Getränke. Im Winter hatte Rudolf Haape aus dem
zugefrorenen Elsebach oder aus der Eisdecke auf dem Teich von Haarmanns Hammer
dicke Eisplatten herausgesägt und in den Eiskeller gebracht. Die Nordlage
des Kellers und die "Isolierung" sorgten dafür, dass die dann in den Hestenberg
gebrachten Eisblöcke die Getränke kühl hielt.
Es war eine regelrechte Sommergaststätte, die Rudolf Haape im Hestenberg
unterhielt. In dem kleinen Häuschen, von den Bürgern liebevoll "Rudolfshalle"
genannt, gab es Kaffee und Kuchen, der auf den heute noch erkennbaren
Platzflächen, auf denen Tische und Bänke aufgestellt waren, serviert wurde.
Wie diese "Rudolfshalle" ausgesehen hat, das macht eine Skizze deutlich,
die Heinz Schmidt im September 1989 für das ST zeichnete:

(siehe auch Die Rudolfshalle - ein begehrtes Ausflugsziel, ein WR-Artikel von 1953)
1893: Verschönerungsverein geht in SGV auf - Kassenbestand für den Hestenberg
Süderländer Wochenblatt vom April 1893: In der gestern stattgehabten Generalversammlung
des Verschönerungsvereins wurde beschlossen, behufs Verschmelzung des Vereins beim
hiesigen SGV einen Antrag zu stellen.
Schon wenige Tage später heißt es in einem Bericht über die Generalversammlung des
SGV: Mit der beantragten Vereinigung des Verschönerungsvereins mit dem SGV ist die
Versammlung einverstanden, auch damit, dass der Kassenbestand des ersteren für
Arbeiten im Hestenberg aufgewandt werden. Der Vorsitzende, Amtsrichter Hiddemann,
nimmt im Anschluss an die nunmehr erfolgte Verschmelzung der beiden Vereine
Veranlassung, dem Fabrikanten C. Meuser für seine Bemühungen um die Verschönerung
spec. des Hestenbergs warme Worte des Dankes auszusprechen.

Über "Haltermanns Brücke" (der kleine Steg über den Elsebach rechts),
benannt nach der zwischen Elsebach
und Hestenberg am Wall liegende Schmiede Haltermann, gingen unsere
Altvorderen 1871 in den Hestenberg.

Von hier aus ging es ab 1915 über die neue Brücke in den Hestenberg.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der Hestenberg aber wegen des I. Weltkriegs und den
nachfolgenden wirtschaftlich schlechten Zeiten seine Bedeutung als
Feier- und Freizeitstätte vorübergehend verloren.

Der Springbrunnen im Hestenberg um 1910
Zu den weiteren Besonderheiten im Hestenberg zählt seit 1920 der Schießstand
der Schützengesellschaft. Ein den Erben Birkenhoff in Frehlinghausen gehörendes
4 Morgen großes Grundstück am Kohlbuschberg wurde für 5500 Mark angekauft. Den
ganzen Sommer wurde an dem Bau des Schießstandes gearbeitet, wobei im ganzen
einschließlich des Grundstücks 15.296 Mark Kosten entstanden waren. Die Einweihung
geschah durch ein Preisschießen, verbunden mit einem Schützenball.
Die Eisensteingrube "Neu Dortmund"
Zahlreiche Spuren heimischen Bergbaus finden sich ebenfalls im Hestenberg.
Es wird berichtet, dass schon vor 1750 in der Klinkmecke (Klickmecke?) nach Eisenstein
gegraben wurde. Dieser Betrieb war noch weit über die Mitte des 18. Jahrhunderts in
Betrieb. Er wurde unterhalten von dem Altenaer Bürgermeister von Diest. Gegen 1780
wurden die Arbeiten eingestellt. Eine neue Muthung wurde am 11.09.1857 eingelegt.
Bei der Muthung wird zunächst bemerkt, dass dieses Feld bisher den Namen "Eisenbergwerk
in der Klinkmecke" gehabt hatte, nun aber unter dem neuen Namen "Neu Dortmund" eingetragen
werden sollte. Die Verleihung geschah daraufhin am 19.07.1859. Reste dieser Eisensteingrube
"Neu Dortmund" finden sich heute noch etwa 80 Meter oberhalb des Springbrunnens in
Form von Schachttrichtern, die immer noch bis zu 6 Meter tief sind.

Jüngere Mitbürger werden sich noch an den Schulwald und das dazugehörige
"Schulwaldheim" im Hestenberg erinnern. Wilhelm Benfer, Hauptlehrer an der Martin-Luther-Schule
und später Lehrer an der Schule Ohle, ein Weggefährte Wilhelm Lienenkämpers, der sich mit
seiner Plettenberger "Häher"-Gruppe Anfang der 1950er Jahre dem Naturschutz verschrieben
hatte, pflanzte dort einen Schulwald, zu dem sich später ein aus Fichtenstämmchen
gebautes Schulwaldheim gesellte.

Der Springbrunnen in den 1950er Jahren. Im Hintergrund ist der Weg zum
Schulwaldheim zu erkennen.
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