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Quelle: Plettenberg - Industriestadt im märkischen Sauerland, 1962 S. 119-122
Die "Plettenberger Häher"
Von Hauptlehrer Wilhelm Benfer (), Ohle
Vom Sinn und Wollen
Hunderte großer und kleiner Vogelfutterhäuser, die überall an
den Wegen, in den Gärten und Anlagen, an den Häusern und auf
den Balkonen zur Winterzeit mit Futter bedacht werden, unzählige
Futterhölzer, Futterdächer und Futterglocken sind sichtbare
Zeichen ihres erfolgreichen Wirkens. Plettenberg ist heute die
Stadt des praktischen Natur- und Vogelschutzes dank der
vorbildlichen Arbeit der Hähergemeinschaft und ihrer vielen
Freunde.
So fing es an!
Wir sind der Meinung, dass es eine der schönsten und edelsten Aufgaben
des wahren Erziehers ist, die Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen in
die Herzen der Kinder einzupflanzen und dort fest zu verankern. Uns
wurde der Wald, der Baum zum Symbol der gesamten natürlichen Umwelt,
Mensch und Tier und Pflanze gleichermaßen umfassend als eine harmonische
Lebenseinheit, die sich gegenseitig bedingt. Leider wissen heute viele
Menschen nichts mehr von diesen natürlichen Zusammenhängen. . .
Die Vogelschutzwarte Essen lieferte die Baupläne für die Nistkästen. Die
Stadtverwaltung half verständnisvoll, sie beschaffte Werkzeuge und
Arbeitsmittel, die praktische Vogelschutzarbeit im Werkraum im Keller
der Martin-Luther-Schule am Maiplatz lief an. Durch freiwilligen
Einsatz aller Entlassschüler - 61 an der Zahl - waren in kurzer Zeit
die ersten 38 Nistkästen fertig. Am 12. Februar 1952 zeigten wir sie
in einer öffentlichen Schau unter dem Motto: "Uns ruft der Wald! Wir
antworteten: Schulwald-Vogelschutz! Hilf auch du!"
Aus Schulbänken werden Vogelhäuschen
Am 27. Februar 1952 konnten die ersten 38 Meisen-Nistkästen im
Hestenberg aufgehängt werden, dazu kamen noch 12 Meisengiebel, die
gestiftet wurden. Die Leistungskurve stieg, bewegte sich steil
aufwärts. 1953 konnten wir 8 große Futterhäuser und 63 Nistkästen
bereitstellen. Es reifte der Plan, Adolf Hollweg gab dazu den Anstoß,
den fleißigen Schülern als Anerkennung und zur Erinnerung ein
besonderes Abzeichen und eine Urkunde zu überreichen und sie als
"Plettenberger Häher" zusammenzuhalten.
Über Nacht wurde der Plan Wirklichkeit. Freunde stifteten das
Abzeichen. Die Urkunde wurde entworfen. Um unserem Vorhaben den
nötigen Rückhalt zu geben, wurden sie der Arbeitsgemeinschaft
zur Förderung des behördlichen Naturschutzes und der Landschaftspflege
der SGV-Abteilungen im Stadtgebiet Plettenberg unterstellt. Am 19.
Dezember 1953 fand erstmalig im Zeichensaal der Martin-Luther-Schule
(später im Jugendzentrum am Umlauf) eine Häher-Feierstunde statt, in
der der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft in Gegenwart zahlreicher
Gäste 61 Entlassschüler mit Urkunde und Abzeichen auszeichnen konnte.
Während bisher die praktische Vogelschutzarbeit nur auf die Martin-Luther-Schule
beschränkt war, stießen 1954 weitere Volksschulen zur jungen
Hähertruppe. Heute regen sich in den Werkräumen aller Volksschulen und
der Pestalozzischule fleißige Hände, um Wohnungen und Futtergeräte
für die Vogelwelt zu bauen. . .
1956 Tonfilm "Der Wald
Nachdem der Film auf der Häherfeier am 14. Januar 1957 in Plettenberg
und Plettenberg-Ohle seine interne Erstaufführung erlebt hatte, wurde
er am 23. Januar 1957 auch offiziell uraufgeführt im Residenz-Theater
in Bad Godesberg vor einem Kreis geladener Gäste und der Mehrzahl der
kleinen Akteure. . .
Nachtrag: Einer der Hauptinitiatoren, Motor und Ideengeber für den Schulwald,
die Hähergemeinschaft und den Vogelschutz war Hauptlehrer Wilhelm Benfer
selbst. Als Verfasser des vorliegenden Berichtes hat er aber sein eigenes
Engagement aus Bescheidenheit nicht erwähnt. Das sei hiermit nachgeholt.
ST-Jahresrückblick Januar 1961:
Quelle: Süderländer Tageblatt vom 15.01.1966
"Häher"-Feier im Plettenberger Jugendheim
Plettenberg. Im Jugendheim fand am gestrigen Freitag, dem Geburtstag
Albert Schweitzers, wieder eine "Häher"-Feier statt, in der insgesamt
123 neue "Häher" in die "Häher"-Gemeinschaft aufgenommen werden konnten;
eine solch hohe Zahl, wie sie schon seit Jahren nicht mehr auftauchte.
Der Leiter der SGV-Arbeitsgemeinschaft, Oberstudienrat Heinrich Wolf,
begrüßte den wieder einmal mit jungen Besuchern gefüllten Saal, zu
denen sich aber auch einige Gäste gesellt hatten. Zum ersten Mal, so
sagte der Redner, müsse man bei dieser 14. Häher-Feier nicht mehr eines
lebenden, sondern eines toten Albert Schweitzer gedenken. Denn dieser
sei vor etwa einem halben Jahr heimgerufen worden. Aber so, wie sein
Werk in Lambarene in seinem Geiste weitergehen wird, so soll auch die
Arbeit der jungen "Häher" in Plettenberg in seinem Sinne fortgeführt
werden.
Oberstudienrat Wolf dankte allen, die auch in diesem Jahre an
dieser schönen Arbeit wieder beteiligt waren, vor allem aber Otto Hücking,
der die "Seele" der Gemeinschaft durch seine ständige und unermüdliche
Mithilfe darstelle und überreichte diesem wieder ein schönes Präsent.
Ferner brachte er all denen seinen Dank zum Ausdruck, die an der
Ausgestaltung dieser Feier mitwirken.
Rektor (Armin) Born erinnerte daran, dass man nun schon seit einer langen
Reihe von Jahren jeweils am 14. Januar zusammenkäme und dass dieser
Tag im Leben der Plettenberger Schulen schon eine ganz besondere Bedeutung
gewonnen habe. Nun habe man sich hier zum 14. Male versammelt, um
wieder neue "Häher" aufzunehmen. Parallel mit dem 14. Kanuar aber gehe
der 4. Oktober als Welttierschutztag. Beide Daten seien nicht ohne
Grund gewählt. Der 4. Oktober ist bekanntlich der Todestag des Heiligen
Franz von Assisi, der mit den Vögeln sprach. Und 750 Jahre später ging
wieder ein Mann über die Erde, der die Sprache der Tiere verstand, Albert
Schweitzer. An seinem Geburtstag begehe man darum diese Feier.
Ein halbes Jahrhundert habe dieser Albert Schweitzer in Lambarene
zugebracht und unermüdlich Hilfe geleistet. Zu selten aber erinnere man
sich daran, dass seine Liebe vor allem auch der hilflosen Kreatur
gegolten habe. "Für jedes Tier, das ihr tötet, ohne dass es sein muss,
werdet ihr ein großes Palaver mit Gott erleben", so sagte er seinen
Schwarzen. Und dieses Wort gilt auch für uns alle. Immer mehr müsse
es zu einer Selbstverständlichekit werden, dass es menschenunwürdig sei,
ein Tier zu quälen.
Seine jungen Zuhörer seien nicht nur in ihrer Schulzeit Naturschützer,
sondern sie sollten diese schöne Aufgabe ihr ganzes Leben hindurch
wahrnehmen. Auch Bäume, Sträucher und Pflanzen gehören zu den Geschöpfen,
die eines solchen Schutzes bedürfen. Rektor Born übermittelte an alle
jungen "Häher" den Dank der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Landschaftsschutz.
Wieder einmal rief er ihnen den Wahlspruch der "Häher" in Erinnerung:
"Habt Ehrfurcht vor dem Leben! Du, Mensch, weißt, was du tust! Vermehre
darum niemals das Leid in der Natur!"
Anschließend übergab er den Vertretern der einzelnen Schulen die
Urkunden und Abzeichen für die jungen Häher. Dazu konnte er diesmal
aber auch schöne Jugendherbergs- und Tierschutzkalender ausgeben,
die gespendet worden waren.
Der Kinderchor der Zeppelinschule unter Leitung von Rektor H.(einz) Fricke
erfreute durch gesangliche Darbietungen, die Geschwister Jünemann
wirkten ebenfalls wieder mit, und Lehrer von Pankratz von der Martin-
Luther-Schule ... Kinder durch Musik und Wort von der großen Bedeutung
der Liebe zum Tier sprechen.
Auch diesmal hatte man die Feier mit einem interessanten Buntfilm-Vortrag
wieder verbunden, und zwar hatte man Hugo Wolter vom Bund für Vogelschutz
wieder verpflichtet, der schon einmal durch einen außerordentlich
interessanten Vortrag in diesem Kreise erfreut hatte. Herr Wolter hat
fünf Sommer als Vogelwart auf der kleinen Nordseeinsel Trieschen bei
Cuxhaven zugebracht und von seiner vielfältigen Arbeit dort einen
Buntfilm hergestellt, den er nun zeigte. . .
Quelle: Schulchronik der Gemeinschaftsschule Ohle, S. 65, 14.01.1960
14. Jan. 1960 Feierstunde der Hähergemeinschaft im Jugendheim
Quelle: Schulchronik der Gemeinschaftsschule Ohle, S. 47, 14.01.1959
Zu erwähnen ist der 14. Januar 1959. Albert Schweitzer wurde 84 Jahre
alt und 21 Schüler/-innen erhielten in einer Feierstunde der Hähergemeinschaft
Plettenberg Urkunde und Abzeichen der Plettenberg Häher. Bisher haben die
Jungen und Mädchen im letzten Schuljahr 1958/59
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