WR Attendorn 15.05.2000

55 Jahre nach der Befreiung: US-Veteranen in Attendorn

Attendorn. (dro) Friedlich saß die US-amerikanische Reisegruppe gestern Mittag im Schatten des "Sauerländer Domes" und erfrischte sich mit kühlen Getränken. Vor 55 Jahren erlebten die 25 Veteranen vom 86. Infanterieregiment der "Black Hawk-Division" ein ganz anderes Bild.

Bei den Kämpfen zur Schließung des "Ruhrkessels" erreichten die US-Soldaten am 11. April 1945 auch Attendorn. Von Helden kommend, überquerte die "Black Hawk-Division" die Bigge. Dort stießen die Soldaten auf das Zwangsarbeiter-Lager am "Schelmeskamp". Nach der Abkommandierung von zwei Offizieren rückten die US-Soldaten in Attendorn ein. Stunden später wurde die Übergabe der Stadt mir Bürgermeister Schütte ausgehandelt. Noch am gleichen Tag ging es weiter nach Plettenberg. So war es auch gestern.

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung und einer Erholungspause auf dem Marktplatz führte Attendorns Stadtarchivar Otto Höffer die amerikanischen Veteranen und deren Ehefrauen gestern an den "Schelmeskamp."

"In der Umgebung von Attendorn hat es damals nur leichte Kämpfe gegeben", übersetzte zuvor Reiseleiter Willi Flicker aus Innsbruck, der die Veteranen des Zweiten Weltkriegs bereits auf ihrer vierten Europa- bzw. Deutschlandtour begleitet. Vor Hagen stießen die "Black Hawks" auf deutlich mehr Gegenwehr.

Der Kampfeinsatz der 1 500 bis 3 000 GI´s vom 86. Infanterieregiment, die aus allen Teilen Amerikas kamen, begann in Aachen. Von dort rückten die US-Soldaten über das Ruhrgebiet und Hagen bis ins Sauer-/Siegerland vor. Weiter ging es nach München an die bayerisch-österreichische Grenze. Anfang Mai wurde Salzburg von ihnen befreit. Bei den Kämpfen verloren die Amerikaner "einige Hundert Leute".

An die Burg Schnellenberg oder Helden konnten sich gestern noch einige US-Veteranen erinnern. "Mein Mann hat den Turm der Kirche damals zerstört", sprach gestern Mittag auf dem Alten Markt in Attendorn eine Amerikanerin den WR-Reporter an und zeigte auf den Sauerländer Dom.

Dass die Attendorner Pfarrkirche im Zweiten Weltkrieg von einer Brandbombe getroffen worden war, hatte Stadtarchivar Otto Höffer zuvor den mit Kameras und Fotoapperaten "bewaffneten" Gästen aus den Vereinigten Staaten erklärt. Vor 55 Jahren mussten die Befreier noch ganz andere Waffen tragen.

Die 47-köpfige Reisegruppe hält sich insgesamt zehn Tage in Deutschland auf und hofft noch auf viele interessanten Begegnungen und Erinnerungen. In Attendorn hatte es ihnen am Mittag erst einmal das deutsche Bier angetan.